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Ausgrabungen im Kreuzgangbereich des ehem. Stiftes St. Arnual, Saarbrücken 1996-2004


Die Ergebnisse der in den Jahren 1996-2004 durchgeführten archäologischen Ausgrabungen im Bereich des Kreuzgangs des Ev. Stifts St. Arnual sind als Buch in der Reihe des Instituts für Landeskunde im Saarland veröffentlicht worden:

HERRMANN, Hans-Walter und SELMER, Jan [Hg.]: Leben und Sterben in einem mittelalterlichen Kollegiatstift.
Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen im ehemaligen Stift St. Arnual in Saarbrücken.
Saarbrücken 2007, 584 Seiten, 628 Abb., 19 Tab., 4 Pläne, 1 CD-ROM.
ISBN 978-3-923877-43-0      ISSN 0537-801X

Neben einer Beschreibung der archäologischen Funde und Befunde durch den Ausgräber enthält der Band Beiträge verschiedener Autoren zu den Werksteinen, Spolien und Grabplatten, den Textilfunden, der Gefäßkeramik, einen vollständigen Katalog der Fundmünzen, ausführliche Berichte zu den paläopathologischen Untersuchungen am menschlichen Skelettmaterial sowie zu den archäozoologischen und archäobotanischen Untersuchungen an den aufgefundenen Tier- und Pflanzenresten und vieles mehr:

Inhaltsverzeichnis des Bandes (PDF-Datei, 119 KB)

Daraus die Beiträge von Christel Bernard zur Fundkeramik (Einleitung zusammen mit Sabine Donie):
[Die Fundkeramik aus dem Kreuzgangbereich der Stiftskirche St. Arnual, Einleitung] (PDF-Datei, ca. 130 KB)
[Die Keramik im spätmittelalterlichen Kreuzgang der Stifstkirche St. Arnual] (PDF-Datei, ca. 5.7 MB)

der Beitrag von Brigitte Dreyspring zu den Textilfunden (PDF-Datei, 743 KB)
Textile Funde bei Bestattungen, unter besonderer Berücksichtigung der Metallfäden, im Kreuzgangbereich des Stiftes St. Arnual,

der Beitrag von Sabine Deschler-Erb, Miki Bopp-Ito und Heide Hüster Plogmann zu den mittelalterlichen Tierknochen (PDF-Datei, 105 KB)
Die mittelalterlichen Tierknochen aus dem Kreuzgangbereich des Stiftes St. Arnual,

sowie die beiden Beiträge von Julian Wiethold zu den spätrömischen und mittelalterlichen Pflanzenresten (PDF-Datei, ca. 1.8 MB)
Archäobotanische Analysen an spätrömischen und mittelalterlichen Pflanzenresten aus dem Kreuzgangbereich des Stiftes St. Arnual,
und zu den Sarghölzern (zusammen mit Nicole Boenke, PDF-Datei, 105 KB)
Holzanalysen an Sarghölzern spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Bestattungen aus dem Kreuzgang der Stiftskirche St. Arnual in Saarbrücken .


Separat davon erschienen (Online-Publikation, PDF-Datei, ca. 3.4 MB):
Paläodontologische Untersuchungsergebnisse der Bestattungen im Kreuzgang der Stiftskirche St. Arnual, Saarbrücken. Dissertation von Dorothea Geber in der Fachrichtung Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Homburg/Saar 2006.

Buchbesprechung von Stefan Flesch in: Monatshefte für Evangelischen Kirchengeschichte des Rheinlandes 57, Bonn 2008, S. 325-326 (Gesamtes Heft als PDF-Datei, ca. 6 MB).



Bestandsplan der Mauerbefunde (2004)
Bestandsplan der Mauerbefunde mit farblicher Auslegung der versch. Phasen von Römerzeit bis Neuzeit (2004)


Aus der Einleitung zum Grabungsbericht:

''In den 1980er und frühen 1990er Jahren fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten an der gegen Mitte des 13. Jhs. errichteten gotischen Stiftskirche St. Arnual statt. Vor allem die dabei vorgenommene Neugründung der Kirche auf Bohrpfählen und einem Stahlbetonrost sowie der Einbau einer Fußbodenheizung machten größere Bodeneingriffe im Innenbereich der Kirche erforderlich, die durch archäologische Untersuchungen unter der Leitung von Emanuel Roth begleitet wurden. Ihm gelang der Nachweis einer römerzeitlichen Villenanlage, eines frühmittelalterlichen Friedhofs im römischen Ruinengelände und 5 mittelalterlicher Kirchenbauphasen vom 7. bis in das 12. Jh. Damit verbunden waren archäologische und bauhistorische Untersuchungen am bestehenden gotischen Bau, in deren Verlauf unter anderem zahlreiche spätmittelalterliche und neuzeitliche Gräber aufgedeckt wurden, die jedoch oft nicht den vorhandenen Grabmälern zugewiesen und identifiziert werden konnten. Besonders hervorzuheben sind die vorwiegend im Chor und im Querschiff gelegenen Bestattungen der Angehörigen des Grafenhauses von Nassau-Saarbrücken, denen die Stiftskirche vom 15. bis zum 17. Jh. als Erbgrablege diente, von diesen vor allem die mitten im Chor vor dem Hochaltar gelegene Grabtumba der Gräfin Elisabeth von Lothringen ( 1456), sowie die Gräber des Hofadels im Langhaus und Turmbereich der Kirche.
Im Vorfeld eines weiteren größeren Bauvorhabens gab das Ev. Stift St. Arnual Anfang November des Jahres 1996 auf Veranlassung des Staatlichen Konservatoramts des Saarlandes eine archäologische Voruntersuchung im Kreuzgangbereich der Stiftskirche in Auftrag. [...]
Die erwartungsgemäß hohe Dichte und Vielfalt der bei der Voruntersuchung freigelegten Befunde ließ eine Fortführung der Ausgrabungen vor der Überbauung des Geländes und der damit zwangsläufig verbundenen Zerstörung archäologischer Quellen als unverzichtbar erscheinen. Dies markierte den Beginn von Untersuchungen, die unter der Trägerschaft des Evangelischen Stifts St. Arnual in den folgenden 8 Jahren etappenweise fortgeführt wurden. Erste Nachweise für eine mehrphasige Bebauung im Kreuzgangbereich der Stiftskirche konnten bereits in den 1980er Jahren von E. Roth bei den oben erwähnten Untersuchungen des Kirchenareals erbracht werden. Entlang der südlichen Seitenschiffmauer der gotischen Kirche wurden in einem schmalen, kaum über die Traufzone hinausgehenden Streifen hochmittelalterliche und römerzeitliche Gebäudereste erfaßt und Bestattungen unterschiedlicher mittelalterlicher Belegungsphasen aufgedeckt. Auch die Entwicklung der St. Arnualer Kirchenbauten ließ einen spätestens ab dem frühen Hochmittelalter vorhandenen Bestand von Wohn- und Versammlungsgebäuden für die dort ansässige Klerikergemeinschaft erwarten. Dieser ist bei Mönchsgemeinschaften bekanntlich fast immer in Form einer an die Kirche angebauten Kreuzganganlage ausgeführt, zu der neben dem meist zentral gelegenen Kreuzgang mit einem quadratischen oder rechteckigen Kreuzhof auch die von dort aus erreichbaren und ebenfalls im Klausurbereich gelegenen Mönchszellen bzw. der Schlafsaal, die Küche, der Speisesaal, ein Vorratsbau, der Kapitelsaal, die Infirmerie, die Bibliothek sowie diverse andere Funktions- und Gemeinschafträume zählen. Die Existenz einer solchen klassischen klaustralen Anlage nach dem "benediktinischen Schema" konnte jedoch, da sie über die funktionalen Bedürfnisse einer Gemeinschaft, die - wie bei den in St. Arnual lebenden Weltgeistlichen ab dem ausgehenden Hochmittelalter anzunehmen - nicht mehr einer gemeinsamen Lebensführung (vita communis) verpflichtet ist, hinausgeht, hier nicht unbedingt vorausgesetzt werden.



Bannkarte St. Arnual 1762
St. Arnual, Ausschnitt aus der Bannkarte von 1762

Die einzige bekannte Darstellung der ehemaligen Bebauung ist auf der bereits mehrfach veröffentlichten nassau-saarbrückischen Bannkarte von 1762 zu finden, die ein dreiflügliges Gebäude mit kleinem Innenhof verzeichnet. Die Bezeichnung des Geländes als "Stifft Kreuzgang" auf der Karte bzw. als "Kreuzgang und Hofgering" im zugehörigen Bannbuch gab Anlaß zur Annahme, daß das eingezeichnete Gebäude die spätmittelalterliche, gotische Kreuzganganlage darstellt. Wie sich im Verlauf der Untersuchungen herausstellte, trifft diese Vermutung zwar für die ohnehin bekannten äußeren Umfassungsmauern, jedoch nicht für den neuzeitlich umgenutzten und neu gestalteten Innenbereich der Anlage zu.
Dem [...] Bericht liegen die Grabungsergebnisse bis zum Jahresbeginn 2004 zugrunde. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte eine mehrphasige, wohl mindestens bis in das 9. Jh. zurückreichende mittelalterliche Bebauung, darunter eine Kreuzganganlage mit Konventsgebäuden, nachgewiesen, Teile eines vermutlich in die Zeit des 7. bis Ende des 9./Anfang des 10. Jhs. datierenden frühmittelalterlichen Friedhofs untersucht und weitere, wenn auch nur geringe, Reste der bereits von E. Roth im Bereich der Kirche erfaßten römerzeitlichen Villenanlage des 2. bis 4./5. Jhs. freigelegt werden. Außerdem wurde der größte Teil des gotischen Kreuzgangs mit den zahlreichen darin enthaltenen spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bestattungen untersucht sowie als jüngster Baubestand die Reste eines, nach Aufgabe der sakralen Nutzung des Kreuzgangs im 18. Jh. eingebauten, dreiflügligen Wirtschaftbaus, der in den schriftlichen Quellen als "Fruchtspeicher" bezeichnet wird. Die jüngste Schicht unter dem rezenten Schotter stammte von der Gartennutzung des Geländes vom 19. bis in die 2. Hälfte des 20. Jhs., während das älteste bei den Untersuchungen gefundene Artefakt, eine mittelsteinzeitliche Silexspitze, auf die Anwesenheit von Menschen in diesem Bereich vor bereits etwa 12000 Jahren hinweist...''
(Jan Selmer, 2005).


Grabungsfläche vom Westturm der Stiftskirche aus (1999)
Übersicht über einen Teil der Grabungsfläche vom Westturm der Stiftskirche aus (1999)


Einige Fotos von der Ausgrabungsstätte:
(c) Jan Selmer
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Osten des spätmittelalterl.
Kreuzgangbereichs vor Grabungsbeginn
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Raumabschnitt in der hochmittelalterl.
Anlage mit zahlreichen Münfunden
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Kleine Herdstelle in der
hochmittelalterl. Anlage
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Reste eines Lehmfußbodens im ehem. Refektorium
der hochmittelalterl. Anlage
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Treppe in den Keller des Wirtschaftsbereichs
der hochmittelalterl. Anlage
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Von einer hochmittelalterl. Treppe überbaute frühmittelalterl.
Bestattung schneidet römerzeitl. Mauerfundament
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Spätmittelalterl. Grabgruben schneiden die Befunde
im Osten der hochmittelalterl. Anlage
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Fensterarkade im Osten
des spätmittelalterl. Kreuzgangs
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Hochmittelalterl. Brunnen(?)schacht im westl.
Außenbereich der spätmitteltalterl. Anlage
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Spätmittelalterl. Gräber im westl.
Außenbereich der spätmitteltalterl. Anlage
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Entgegengesetzt ausgerichtete Gräber im
Südflügel des spätmitteltalterl. Kreuzgangs
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Gagatperlen einer Gebetskette /Zählschnur
in einem spätmittelalterlichen Grab
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Buntmetallpailletten am Schädel einer juv.
Bestattung im spätmittelalterl. Kreuzgang
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Im spätmittelalterl. Ostkreuzgang von einem mod.
Wasserrohr geschnittene Bestattung
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Spätmittelalterl. Grabplatte mit Darstellung
einer Bügel- und Scharnierschere
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Bestattungen im
spätmittelalterl. Kreuzgangsüdflügel
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Bestattungen im hochmittelalterl. Westkreuzgang,
geschnitten von spätmittelalterl. Kreuzhofmauer
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Bestattung im spätmittelalterl.
Südkreuzgang mit Resten des Holzsarges
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Bestattung eines Kleinkindes
im spätmittelalterl. Südkreuzgang
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Eng eingewickelte Bestattung im
spätmittelalterl. Südkreuzgang
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Bestattungen im
frühmittelalterl. Friedhof


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